BB auf den Barrikaden...Riviera Zeitung...

Publié le par Ricard Bruno

BB auf den Barrikaden

Es ist alles andere als ein Geheimnis, was dem ehemaligen Filmstar nun schon seit 35 Jahren am meisten am Herzen liegt: der Tierschutz. Es ist auch bekannt, dass sie im Kampf dafür oft deutliche Worte und vehemente Gesten wählt. Erstaunlich ist aber schon, dass aus ihrer Villa La Madrague in Saint-Tropez in letzter Zeit harte Vorwürfe gegen die deutsche Bundesregierung erschollen.

BB und Paul Watson
1977 fuhr die BB (Mitte) ins kanadische Packeis, um das Robbenschlachten dort anzuprangern, Tierschützer Paul Watson (rechts an ihrer Seite) begleitete sie © Sea Shepherd

Stein des Anstoßes ist die Festsetzung eines ihrer wichtigsten Mitstreiter in Deutschland. Mitte Mai wurde der kanadisch-amerikanische Tierschützer «Captain» Paul Watson am Frankfurter Flughafen festgenommen. Er ist Leiter der Organisation «Sea Shepherd» (Deutsch: Meeres-Hirte), die mit eigenen Booten auf hoher See gegen brutale Fangmethoden und für den Schutz von Meerestieren kämpft. In Frankfurt war Watson eigentlich nur zwischengelandet, auf dem Weg nach Cannes – zu einer Spendengala zum 35. Geburtstag von Sea Shepherd am Rande des Filmfestivals.

Doch die Polizei präsentierte Watson einen Haftbefehl von Interpol – beantragt von Costa Rica – und statt zur Party kam er ins Gefängnis.

Der Vorwurf gegen ihn lautet «Eingriff in den Schiffsverkehr» und bezieht sich auf ein Ereignis im Jahr 2002. Damals soll er die Crew eines Schiffs aus Costa Rica bedroht und mit einer Wasserkanone angegriffen haben. Das ereignete sich bei den Dreharbeiten zum Dokumentarfilm «Sharkwater», in dem er das sogenannte «Shark-finning» anprangert – die Jagd auf Haie, die nur gefangen werden, um ihnen bei lebendigem Leibe die Flosse abzuschneiden. Dann werden die verletzten Tiere zurück ins Meer geworfen, wo sie verenden. Damals hatte die Regierung von Costa Rica befürwortet, dass die Crew samt Kameramann an Bord Täter dieser illegalen Praxis aufspürt und an die Küste zurückleitet. «Ich schätze, dass trotzdem auf diese Weise 75 bis 90 Millionen Haie pro Jahr getötet und verstümmelt werden», beklagt Watson gegenüber der RCZ und weist darauf hin, dass mit den Haifischflossen ein Millionengeschäft gemacht wird.

Das hat er in seinem Dokumentarfilm aufgedeckt: Darin sieht man auf Dächern von Fabrikhallen Tausende Flossen trocknen – offenbar für den Verkauf. «Hauptabnehmer sind die Chinesen. Dort gilt Haifischflossensuppe als Statussymbol, das zu feierlichen Anlässen gereicht wird», erläutert der 61-Jährige. Der Preis pro Portion: etwa 100 Euro.

Watson vermutet dahinter mächtige Unternehmen, die auch Einfluss auf die costa-ricanische Politik haben. So wurden 2002 nicht die Hai-Fischer festgenommen, sondern er. Zweimal stand Watson wegen dieses Vorfalls in Costa Rica vor Gericht, zweimal wurde das Verfahren eingestellt. Dass es jetzt zum dritten Mal wieder aufgerollt werden soll, ruft seine Unterstützer auf die Barrikaden. Neben Filmstars wie Michelle Rodriguez, Sean Penn und Sean Connery ist Brigitte Bardot seine wohl prominenteste und radikalste Mitstreiterin. Sie bot sich sogar an, statt seiner ins Gefängnis zu gehen. In einer Solidaritätsnote nannte sie ihn ihren «Kampfesbruder» und den «Captain of my heart».

Kennen gelernt haben sie sich vor 35 Jahren, als sie gemeinsam gegen das brutale Töten von Robben mobil machten. Bis heute sind sie in puncto Tierschutz unzertrennlich. Um zu zeigen, wie ernst sie es meint, schrieb Brigitte Bardot sofort einen Brief an Bundeskanzlerin Merkel: «Madame la Chancelière», appellierte sie, «machen Sie nicht sich selbst und Ihr Land zur Komplizin einer himmelschreienden Ungerechtigkeit. … Paul Watson darf nicht für eine Aktion verurteilt werden, die wir alle unterstützen sollten.» Statt im Gefängnis zu sitzen, werde er dringend für Tierschutzaktionen gebraucht. Sie erhielt zwar keine Antwort, doch drei Tage später kam Paul Watson gegen die Zahlung von 250 000 Euro Kaution frei. Die Auflage: Er muss sich jeden Tag bei der Polizei in Frankfurt melden – bis Mitte August. So lange hat die Regierung von Costa Rica Zeit, in Deutschland Akten einzureichen, die Watsons Auslieferung rechtfertigen.

Die einzige, die dieses Verfahren abkürzen könnte, ist nach Auskunft des Oberlandesgerichtes Frankfurt die Bundesjustizministerin. «Wenn sie verkünden würde, dass es sich um ein politisch motiviertes Verfahren handelt, und zum Beispiel sagen würde, die Tierschutzziele von Herrn Watson wären sinnvoll, dann könnte das eine Auslieferung stoppen», erläuterte ein Sprecher des Gerichtes der RCZ. Doch das Bundesjustizministerium schweigt still; den Medien gegenüber und auch gegenüber der BB. Sie hatte vor lauter Ärger darüber Mitte Juni an Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger geschrieben: «Ich wende mich an Sie, weil diese groteske Situation, mit der sich Deutschland der Lächerlichkeit und der Schande preisgibt, sofort beendet werden muss. Der Auslieferungsantrag von Costa Rica ist völlig unbegründet.»

Doch die Mühlen der Justiz mahlen weiter langsam. Paul Watson selbst versucht, das Beste aus seinem Aufenthalt in der deutschen «Warteschleife» zu machen. «Selbst wenn ich hier nichts tun kann und womöglich in Costa Rica länger im Gefängnis verschwinden sollte, habe ich doch zumindest etwas erreicht: Ich habe wieder neue Aufmerksamkeit auf das Schicksal der Haie und der Meerestiere gelenkt – das ist mir das Wichtigste», sagte er der RCZ.

 

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Publié dans le web en parle

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