RCZ-Interview mit Brigitte Bardot

Publié le par Ricard Bruno

RCZ-Interview mit Brigitte Bardot

Wie die RCZ bereits gestern berichtete, hat die damalige Festnahme des Mitstreiters Paul Watson bei Brigitte Bardot große Entrüstung ausgelöst. RCZ-Mitarbeiterin Claudia Freigehn sprach mit dem ehemaligen Filmstar über die Hintergründe.

BB und Paul Watson
Brigitte Bardot und Paul Watson 2006: «Kampfbruder und -schwester» © Sea Shepherd

RCZ: Madame Bardot, inwiefern lassen sich die juristischen Anschuldigungen gegen Paul Watson halten?

BRIGITTE BARDOT: Diese Anschuldigungen sind unmöglich. Paul Watson engagiert sich, um den illegalen Fang von Haien zu verhindern, womit er die Versäumnisse der Regierung ausgleicht. Anstatt Sea Shepherd anzuklagen, sollte Costa Rica lieber gegen die Fischwilderer vorgehen, die in seinen Hoheitsgewässern ihr Unwesen treiben.

Was tun Sie ganz konkret für Paul Watson?

Da es sich um ein internationales Strafrechtsverfahren handelt, habe ich ihm den Kontakt zu einem deutschen Anwalt vermittelt, der ihn bei allen nötigen Schritten unterstützt. Paul Watson kann auf meine Freundschaft zählen, ich habe ihn erst vor einigen Tagen wieder angerufen, und er ist weiterhin fest entschlossen, seinen Kampf fortzusetzen.

Eines seiner Boote trägt sogar Ihren Namen. Warum engagieren Sie sich ausgerechnet so stark für ihn und seine Sache?


Als ich 1977 ins kanadische Packeis fuhr, um das Robbenschlachten dort anzuprangern, hat er mich dort begleitet; als ich dreißig Jahre später die Öffentlichkeit und die Presse erneut auf das Thema aufmerksam machen wollte, fuhren wir wieder gemeinsam. Wir sind füreinander Kampfbruder und -schwester. Meine Stiftung hat Sea Shepherd oft bei ihren Aktionen gegen die Verbrecher der Meere unterstützt. So haben wir 2010 einen Einsatz gegen das Schlachten von Grindwalen an den Färöer Inseln komplett finanziert. Als Paul mich vor einem Jahr bat, den Kauf eines Trimarans zu ermöglichen, habe ich nicht gezögert. Dass er das Boot dann auf meinen Namen taufte, hat mich sehr gerührt.

Ihr Protest ging so weit, dass Sie Bundeskanzlerin Merkel und Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger geschrieben haben, um seine Auslieferung nach Costa Rica zu verhindern. Was ist Ihre Kernbotschaft an die deutschen Politiker?

Ich habe den deutschen Behörden alles gesagt, was zu sagen ist, und kann ihre Sturheit nicht nachvollziehen. In Sachen Tier- und Umweltschutz hatte die deutsche Politik weltweit lange Zeit Vorbildcharakter. Daher bin ich um so enttäuschter, ja regelrecht schockiert über diese verantwortungslose Haltung.

Bisher gab es keine Reaktionen aus Berlin. Was werden Sie unternehmen, wenn es dabei bleibt und es tatsächlich zu einer Auslieferung von Paul Watson kommen sollte?


Ich habe keinerlei Rückmeldung auf meine Schreiben aus Berlin erhalten, noch nicht einmal eine Empfangsbestätigung. Wenn Deutschland Costa Rica [das Watsons Auslieferung will] Recht geben sollte, wird das alle Tierschützer in große Wut versetzen. Da werde ich sicher nicht die einzige sein, die ihnen das deutlich zu verstehen geben wird.

Frankreich hat eine neue Regierung. Einige Minister sind Vertreter der Grünen, sie  stellen mit der Gruppe des Präsidenten jetzt auch die Mehrheit in der Nationalversammlung. Was fordern Sie von den Grünen in puncto Tierschutz?

Anders als andere ökologische Vereinigungen in Europa haben sich die französischen Grünen noch nie für die Tiere stark gemacht. Meine Stiftung hat schon alle Parlamentarier dazu aufgefordert, sich dafür einzusetzen, unsere Beziehung auf den Prüfstand zu stellen. Für die Tiere war die Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy schlicht eine Katastrophe – schlimmer kann es unter François Hollande meiner Meinung nach nicht mehr werden, ansonsten würde mir das die letzte Hoffnung in die Menschheit rauben.

In welchem Zusammenhang stehen die Aktivitäten von Paul Watson mit der Tierschutz-Situation hier im Mittelmeer?

Sea Shephard schreitet auf dem Mittelmeer gegen den illegalen Fang von rotem Thunfisch ein. Ein solcher Einsatz war zum Beispiel gerade zu dem Zeitpunkt geplant, als Paul Watson verhaftet wurde. Dadurch, dass Deutschland diese Aktion verhindert hat, hat es sich auf die Seite der Meeres-Wilderer gestellt. Das ist unverständlich und äußerst beklagenswert. Ich glaube und hoffe immer noch, dass diese alptraumhafte Situation so schnell wie möglich ein Ende nimmt.

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